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    BuchMarkt
Ausgabe 09-
2003
 
 


 


 

   


 


Spezialität Networking

Von Stephanie von Selchow

Mit ihrer "literarischen agentur" baut BARBARA KÜPER Brücken zwischen Künstlern und Verlagen.

„Agentin zu werden, war für mich eine Art logische Konsequenz“, sagt Barbara Küper, die am 10.2.2003 offiziell ihre „literarische agentur“ mit Sitz in Frankfurt-Bergen-Enkheim beim Gewerbeamt anmeldete.
1986 fing die studierte Germanistin und Anglistin als Lektorin und Lizenzfrau bei Arena an - damals noch unter der Ägide von Hans-Georg Noack. Nach vier Jahren übernahm sie die Lektoratsleitung, blieb weitere fünfeinhalb  Jahre im Haus und erlebte die Expansion unter Jürgen Weidenbach.
Es folgten noch einmal fünfeinhalb Jahre bei Sauerländer, Ravensburger und zuletzt Baumhaus, wo Barbara Küper eine Kinderzeitschrift entwickelte und das Bilderbuchprogramm betreute (sachlich richtig? Ja!).
„Ich hatte immer ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis, habe aber mit der Zeit zunehmend mit dem Gedanken gespielt, die Festanstellung im Verlag gegen etwas anderes zu tauschen“, sagt die gestandene Lektorin. „Als dann bei Baumhaus die Insolvenz ins Haus stand, habe ich mir zum ersten Mal ernsthaft überlegt, alle weiteren Angebote auszuschlagen und meine eigene Agentur zu gründen. Und jetzt bin ich heilfroh, den Sprung ins kalte Wasser gewagt zu haben.“
Langjährige Kontakte zu Autoren, Illustratoren und Kollegen in allen Verlagen der Kinder- und Jugendbuchszene, sowie eine genau Kenntnis der Verlagsprogramme („Wir haben natürlich in jedem Verlag, in dem ich gearbeitet habe, analysiert, was die Konkurrenz macht“) sind die Ausgangsbasis, auf die Barbara Küper zurückgreifen kann. Ihre „literarische agentur“ vertritt im deutschsprachigen Raum nicht nur Autoren, sondern auch Illustratoren und einige Verlage aus Amerika, Kanada, Belgien und den Niederlanden.
Neben Susanne Koppe ist sie zur Zeit die einzige Agentin, die in Deutschland ausschließlich Kinder- und Jugendbuch, und zwar sowohl Autoren als auch Illustratoren vertritt. „Das Kinderbuch ist natürlich nicht so lukrativ wie die Belletristik, aber wenn ich mich voll darauf konzentriere, werde ich mit meiner Agentur eine feste Größe in diesem Bereich. Und irgendwann zahlt sich das auch finanziell aus.“
Mittlerweile, erzählt die frischgebackene Agentin, werde sie bereits häufig angerufen, wenn jemand einen Illustrator für ein bestimmtes Projekt braucht oder nach einem Autor für ein konkretes Buchprojekt sucht. Ihr stehe mit ihren Klienten ein Pool zur Verfügung, auf den sie jederzeit zurückgreifen könne.
„Illustrationsaufträge werden oft kurzfristig vergeben. Da heißt es dann: Wir brauchen innerhalb der nächsten zwei, drei Monate einen Illustrator oder eine Illustratorin. Das ist oft die Chance für Neulinge.“
Barbara Küper vertritt sowohl namhafte als auch junge Bilderbuch-, Kinderbuch-, Jugendbuch und Sachbuchautoren, sowie -illustratoren. Ihre Klientel ist heterogen. Voraussetzung ist einzig, dass sie selbst von der Qualität der Arbeiten überzeugt ist. Qualitätsmaßstäbe?) „Warum sollte ich mich in der Förderung kreativer Vielfalt von vorneherein beschränken?“, so ihre Devise.
Langsam spreche es sich übrigens herum, dass ein Agent einem Lektor eine Menge Arbeit abnehmen könne. Die Frage „Müssen wir dafür zahlen?“ tauche in den Verlagen selten auf. (Zahlen müssen Autor bzw. Illustrator, und das nur nach erfolgreicher Vermittlung.) Gerade für große Verlage sei es profitabel und nützlich, auf einen Agenten zurückzugreifen, der ihnen bestimmte Arbeiten abnimmt. Barbara Küper berät ihre Illustratoren auch beim Zusammenstellen ihrer Mappe, lektoriert manche Manuskripte vor. Jungen Autoren und Illustratoren ebnet sie den Weg in die Verlage, sie führt Vertragsverhandlungen für junge und erfahrene und kümmert sich um alles Geschäftliche, sodass die Kreativen sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren können. „Wenn man für jemand anders verhandelt, hat man immer einen kühleren Kopf als in eigener Sache - das weiß ich aus eigener Erfahrung. Andererseits kenne ich ja auch Verlagskalkulationen sehr genau und stelle keine überzogenen Forderungen.“
„Nur ab und zu“, erzählt die Agentin, „spukt in den Köpfen das Zerrbild vom Agenten, der den vertrauensvollen Kontakt zwischen Autor und Lektor behindert und sich vorrangig als Preistreiber betätigt. Ich verstehe mich vielmehr als Vermittlerin: Ich stelle ja gerade Kontakte her, damit die Leute miteinander ins Gespräch kommen und gut zusammenarbeiten. Als altgediente Lektorin würde ich von Verlagsseite entschieden protestieren, wenn mir jemand den Zugang zu den Kreativen verbauen wollte. Ich kenne und respektiere die Bedürfnisse beider Seiten.“
Networking ist der wichtigste Teil der Arbeit. „Ich überlege permanent, wen ich mit wem zusammenbringen könnte“, erzählt Barbara Küper. „Neulich ist es mir sogar mal gelungen, eine meiner Illustratorinnen nach China zu vermitteln. So etwas macht wirklich Spaß.“
Mit Menschen umgehen, Talente entdecken, Buchprojekte entwickeln und auf den Weg bringen, Arbeit an Text und Bild – alles ist in diesem Beruf enthalten.
„Neben der Lust, immer wieder Neues zu entdecken und entwickeln“, so Küper, „bringe ich ein gewisses Maß an Beharrlichkeit mit, versuche das Beste aus Autoren und Illustratoren herauszulocken.“
Langsam spricht es sich herum, dass da in Bergen-Enkheim eine sitzt, die ihr Handwerk versteht. „Mein Kundenstamm vergrößert sich weitgehend nach dem Schneeballsystem, ich brauche schon kaum noch selbst zu akquirieren.“ Um die Aufbauphase zu finanzieren, aber auch, weil sie es liebt, übersetzt Barbara Küper auch. Ihre Agentur wächst stetig, nach knapp zwei Jahren kann sie hoch zufrieden sein. „Eins hat mich sehr gefreut: Auf der Frühjahrsmesse in Bologna war in den Verlagen wieder verhaltener Optimismus zu spüren. Ich hoffe, dass es so weiter geht.“

 
 
   




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